Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 1: Die Zusammenkunft

 

VII Roter Priester

 

Wendy wühlte sich im Schlamm und weinte. Blut sickerte aus dem Schädel, den sie durchstoßen hatte und floss wie in einem asiatischen Garten durch die Fußabdrücke auf sie zu. Mit Messer und Taschenlampe fest in den Händen wich sie vor der roten Flut zurück und schlitterte im Matsch, bis sie es schaffte sich auf den Beinen zu halten.

Der dumme Hund schnüffelte an den Leichen und leckte das Blut auf. Sein Fell war nun noch dunkler. Es kräuselte sich und fehlte an einigen Stellen. Er stank nach verbrannten Haaren.

Sie beugte sich zu Rufus hinunter. »Ich habe ihn getötet!« Ihr Gebrüll hinderte den Hund nicht daran aus den Pfützen zu schlürfen. »Keiner braucht dich!« Wuchtig schlug sie die Kellertür zu.

Jetzt erst bemerkte Wendy die fehlende Hitze, die das Feuer ausgestrahlt hatte. Mit aufgerissenen Augen starrte sie zum gelöschten Durchweg. Der Ausgang, er war frei!

Schlamm schleuderte unter ihren Füßen durch den Flur. Im Slalom lief sie um die toten Monster, stieß den Bullen mit vollem Körpereinsatz beiseite und rannte ins Wohnzimmer.

Wie aus dem Nichts stand eine Frau vor ihr und hielt ihr die ausgestreckte Hand entgegen. Sie rief etwas und wollte Wendy stoppen. Da verzerrte die Frau das Gesicht, als hätte ihr jemand Säure ins Hirn gegossen.

Ein halb zerstückeltes Monster sprang vom Boden auf und warf die Krallen auf Wendys Gesicht.

Hinter ihr knallte ein Schuss. Blut spritzte ihr ins Gesicht und das angreifende Ungeheuer stockte. Die Kugel hatte ihm die halbe Schnauze abgeschossen und sie baumelte ihm aus der Visage. Aber das hielt das Monster nicht auf. Erneut holte es mit der Pranke aus. Wendy schrie, da stieß eine Machete durch den Hals der Bestie. Das Ungeheuer stürzte, Wendy ebenfalls.

 

Die Mädchen rutschte durch den Erdboden und krabbelte rückwärts in den Flur zurück. Roland sah zur Frau mit der Machete und ihrem üppigen feuerrotem Schopf. Ihr Äußeres zusammen mit ihrem Temperament wirkten, als wäre sie eine leibhaftige Fackel. Er brauchte Antworten von ihr. »Was haben Sie getan?«

Mit Wutschrei stach sie die Klinge in ein am Boden zappelndes Monster. »Ich?!« Die Machete glitt aus dem Leichnam und zeigte mit der Spitze auf ihn. »Sie! Sie waren das!«

Weitere der niedergestreckten Kreaturen krümmten sich im Schlamm. Sie bellten und stemmten sich auf ihre noch verbleibenden Gliedmaßen. Die Frau trat energisch auf Roland zu und beendete im vorbeigehen das elendige Leben der zerstümmelten Monster.

Wollte sie ihm tatsächlich jetzt die Leviten lesen? Das war sein Haus. Hier hatte er, Roland Banks, das sagen! Er musste ihr zuvorkommen. »Wollen Sie allen Ernstes…«

Die Klinge glitt ihr aus der Hand und fiel zu Boden. Schreiend warf sich die Frau auf die Knie und presste beide Hände an den Kopf. »Verschwinde…raus…aus meinem Kopf!«

 

Wendy zog sich an den Wurzeln auf, die sich die Wand hinauf schlängelten. Sah sie da richtig? Unterhielten sich die beiden im Wohnzimmer etwa? Das war Wahnsinn! Das alles hier. Sie musste weg. Schnell! Die knarzende Kellertür hinter ihr fror ihre Panikattacke ein. Das Geräusch kratzte, wie eine Kralle, die ihr von unten über den Rücken schabte.

Vorsichtig schielte sie über die Schulter. Die Tür öffnete sich und zum Vorschein kam eine Sense. Gefolgt von der Waffe des Todesengels erschien eine riesenhafte Gestalt, gehüllt in einer purpurnen Robe. Gemächlich trat der Teufelsdiener in den Flur und starrte Wendy an. Da wo sein Kopf sein sollte, war ein gehörnter Hirschschädel.

Der Dämonenpriester atmete schwer. Er hob seine lederige Hand und wies mit einem langen Fingernagel auf Wendy. Aus dem Schädel wisperte eine Stimme, als sagte sie einen Fluch auf.

Wendy drehte sich zu ihm um und taumelte Rückwärts. Der Priester fauchte und stürzte sich auf sie. Erschreckt stolperte sie mit dem Bullen Rücken an Rücken zusammen und fiel ins Wohnzimmer.

 

Fast wäre Roland im Matsch ausgerutscht. Dieses Gör verdiente… Reflexartig wich er einer heranschwirrenden Klinge aus. Sie stieß in die Wand und blieb stecken. Wo zur Hölle kam dieses Ding her? Keine Zeit für unnütze Fragen im Kopf. Das war seine Chance zu schießen. Klick.

Die leeren Augenhöhlen eines Hirschschädels blickten in den Lauf. Klick, klick.

Es heulte auf und zog die Sense aus der Wand. Roland stürmte vor uns schlug auf das Knochengesicht ein.

 

Der Bulle rang mit dem Priester und Rufus biss ihm in den Fuß, der unter der Robe hervorlugte. Wendy rappelte sich mitten im Wohnzimmer auf und hörte die Frau mit der Machete wimmern. Die Verrückte kniete da und versuchte sich das Gehirn aus dem Kopf zu pressen. Wendy fragte heute schon lange nicht mehr nach dem Warum. Alles was sie wahrnahm, war dass sich hinter der Frau der Weg nach draußen befand.

Sie stolperte los und erschreckte, als eines der Monster am Boden zuckte. Der Schreck bremste ihre Flucht und das war ihr Verhängnis.

Im Flur polterte es und der Priester taumelte rückwärts auf sie zu. Sie stießen aneinander und tauschten unfreiwillig die Plätze. Der Hirschschädel stand nun zwischen Wendy und ihrer Freiheit.

Der Priester hob die Klinge. Da schoss Rufus kläffend an ihr vorbei. Die Sense schwang. Blut spritzte.

Wendy schrie und fiel stolpernd auf das Sofa neben ihr. Aus dem Flur kam der Bulle brüllend hereingestürmt. Im Sofa war Wendy zum Glück niemandem im Weg. Der Priester fuchtelte mit der Sense um sich und trat dem Bullen entgegen. Er stapfte an ihr vorbei. Der Ausweg war wieder frei.

Sie brauchte nur die Beine in die Hand zu nehmen und rennen, dann war alles vorbei. Dafür musste sie über den blutenden Hund steigen. Aber etwas in ihr hinderte sie daran. Der Anblick des leidenden Rufus, ließ Hitze in ihr aufsteigen. Der Bulle und das Scheusal waren noch nicht aufeinander gestoßen. Sie rannte dem Priester hinterher und rammte ihm das Messer in den Rücken.

Das Ungetüm schrie auf und schlug um sich. Es traf sie und schmetterte Wendy durch das Wohnzimmer.

 

»Rufus!« Roland preschte auf den Hirschschädel zu und die umherwirbelnde Sensenstange traf ihn an der Schläfe. Es schlug ihn gegen die Wand.

Der Priester warf sich auf das Mädchen, da erschien ein grelles Licht. Sie blendete das Ungeheuer mit der Taschenlampe. Verwirrt schlug der Priester unkontrolliert umher.

Roland brüllte und stürzte sich auf den Feind. Vom Kampfschrei aufgeschreckt drehte es sich um und wirbelte die Sense in seine Richtung.

Eine Klinge blitzte hinter der roten Robe auf und das Mädchen kreischte. Der Priester stoppte und drehte sich röchelnd im Kreis. Zwischen seinen Schulterblättern ragte ein Messergriff hervor.

Rufus zuckte. Er kämpfte nicht um sein Leben, er starb.

Roland schlug auf den Priester ein, dass dieser stürzte. Mit einem gewaltigen Tritt zertrümmerte sein Stiefelabsatz die Knochenmaske. Er setzte sich auf die Brust des Sensenmanns und drosch auf ihn ein. Wieder und wieder hämmerte er seine Faust auf den Schädel. Seine Hände bluteten und unter den Knöcheln knackten Gesichtsknochen. Die Maske splitterte und brachte etwas zum Vorschein. Vielleicht ein menschliches Gesicht? Egal! Roland Schlug. Schlug und schlug, bis das Scheusal keine Maske mehr brauchte, um unerkannt zu bleiben.

»Genug!« Krächzte eine Stimme und Roland ließ sich seitlich fallen.

Sein Gesicht landete neben seinem treuen Freund. Tränen sickerten in den blutgetränkten Teppich. Roland schloss die Augen. Es war Zeit für ihn aufzuwachen.

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Dein Viktor

 

Kommentare: 2
  • #2

    Viktor (Autor aus Leidenschaft) (Dienstag, 14 April 2020 21:16)

    @FBGkidzero vielen Dank! Es freut mich, wenn es dir gefällt.
    Die Vorgeschichte von Wendy habe ich mir praktisch "zusammengereimt". Dabei habe ich versucht so nah wie möglich an dem Charakter zu bleiben. Im Spiel hat sie den Zusatz "Straßenkind" und ich habe mich an ihren Storytext orientiert, der auf der Rückseite der Charakterkarte steht. Ihre Hauptklasse ist ja die rote (Überlebender) und die Zusatzklasse die grüne (Schurke). Zudem gibt es dann noch ihre Spezialfähigkeit und die einzigartigen Karten für ihr Deck. Aus all diesen Bausteinen habe ich dann ihre Vorgeschichte "rekonstruiert".

  • #1

    FBGkidzero (Dienstag, 14 April 2020 18:24)

    Sehr spannend und reich an Action. So kam es mir beim spielen auch vor :). Ich habe nicht so viel recherchiert aber die Hintergrundgeschichte von Wendy klingt wirklich krass. Wird die iwo so angegeben oder hast Du dir die Freiheit genommen und sie erfunden?