Arkham Horror

Die Nacht des Zeloten

© Fantasy Flight Games

Teil 2: Mitternachtsmasken

 

IV Jäger und Gejagter

 

»Das ist alles nur Ihre schuld!« Die Stimme des Bullen hallte durch die Gassen von Arkham. Sie hatten sich zurückziehen müssen.

Lita schnalzte mit der Zunge und verdrehte die Augen.

Der Bulle nervte mit seinem Gebrüll. »Nichts! Wir haben nichts gewonnen.«

War er wieder da? Hektisch sah sich Wendy nach dem Schatten um. Sie musste ihn loswerden, genau wie den Fluch. Wie gehen diese Horrorfilme immer aus? Richtig! »In der Bibliothek muss es etwas geben.«

 

Agent des Monats, dass konnte sich Roland jetzt abschminken, wenn er die ganze Sache nicht vertuschte. So viele Tote in nur einer Nacht und er war schuld.

Klebrige Kugeln lagen schwer in seiner Hand. Es waren seine Patronen und konnten zu ihm zurückverfolgt werden. Er musste sie aus dem Kultisten in der Leichenkammer herauspulen. Dann war da noch der Bursche in dem Krankenwagen, den er dort hineingeschleift hatte. Nicht zu vergessen, der rote Priester, den er in seinem Haus totgeprügelt hatte. Wegen… Und Mrs. Turner.

Aller nur wegen dieser irren Rothaarigen. Was war nur aus ihm geworden? »Ihre Schuld.«

Energisch fuchtelte Lita mit ihren Armen. »Sie sind doch der Polizist. Der ruhmberüchtigte Bundesagent Roland Banks. Was soll dieses Trübsalgejammer? Ermitteln Sie, verdammt!«

Wieder mischte sich das Straßenmädchen ein. »Bibliothek.«

Sie betonte es, als sei es das Allheilmittel. Von diesem Gör hatte Roland ebenfalls genug.

Auch wenn er es nicht zugeben wollte. Lita hatte Recht. Er war Agent Banks. Er musste nachdenken.

Die arme Mrs. Turner war gezwungen zu tun was sie tat. Nachdem das Leichenversteck aufgeflogen war, musste sie Nachschub für die Ghule liefern. Wahrscheinlich meinte sie den Friedhof des Kannibalen, wie die Schlagzeilen titelten, den die Holzfäller im Wald entdeckten. Das würde all die Überstunden erklären, die Mrs. Turner in letzter Zeit schob. Auch erklärte es die vielen Toten durch Wildunfälle. Es gab zu wenig Leichen, um die Ghule zu sättigen.

Schön und gut, aber diese Erkenntnis brachte Roland nicht weiter.

Wieder buhlte das Gör um Aufmerksamkeit. »Bibliothek? Alte Bücher!«

Moment! Rolands Instinkt klingelte.

Da gab es doch jemanden mit einem außergewöhnlichen Interesse für okkulte Bücher. »Sie hat Recht.«

Fassungslos hob Lita die Arme. »Bücher?! Ich hatte mehr von Ihnen erwartet.«

Roland ließ die blutigen Kugeln in seiner Hosentasche verschwinden. »Es geht nicht um die Bücher. Vielmehr um den Leser. Bei meinen Ermittlungen habe ich mir alle verfügbaren Bücher über Okkultismus aus der Universität geben lassen. Der Bibliothekar holte sie mir ohne ins Register nachschauen zu müssen. Auf meinem Lob hin, sagte er, er habe es Dr. Warren zu verdanken. Für ihn müsste er ständig diese Wälzer heraussuchen. Wegen dem Doktor könnte er mir auch nur diese wenigen Exemplare geben, denn Warren hatte den Rest bei sich.«

Lita nickte. »Ich verstehe.«

 

Wendy blickte beide an. »Ihr versteht was?«

Am Himmel kreischte es.

Schreckhaft sahen sie hinauf.

Keiner traute sich den Blick zu senken. Lita half ihr auf die Sprünge. »Der Doktor gehört zu denen, Kleine.«

Für Wendys Geschmack standen sie zu lange an einem Fleck. Zur Abwechslung wollte sie nicht die Gejagte sein. »Wo wohnt er? Brechen wir auf!«

Lita klopfte ihr auf die Schulter. »Gut gesprochen, Kleine. Banks, du hast sie gehört.«

Der Bulle schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht wo er wohnt, müssen wir aber auch nicht. Wir gehen zur Miscatonic Universität.«

Entnervt prustete die Rothaarige. »Wieder Bücher. Für diese Staubfänger sollen wir jetzt in die Bibliothek einbrechen?«

Wieder schüttelte er den Kopf. »In sein Arbeitszimmer.«

Wendys Beine kribbelten. Sie machten sich Laufbereit. War das ihre Jagdmotivation?

Da hörte sie etwas.

Nein, das Kribbeln war ihr Überlebenswille. »Schnell! Wir müssen los!«

 

Sie hörten es alle. Ein Wimmern.

Es kam aus der Richtung, aus der sie hergekommen waren.

Etwas schleifte über den Boden und Metall kratzte an der Wand.

Gebannt starrten sie zur Abbiegung in der Gasse.

Ruhigen Schrittes kam ein Mann um die Ecke. Er trug einen Ledermantel und einen Wolfsschädel als Maske.

Lita knurrte und zog die Machete.

Roland zielte mit seinem Revolver, aber er konnte nicht schießen.

Mrs. Turner hing mit ihren Haaren in der Hand des Maskierten und weinte. Er schlürfte sie am Schopf hinter sich her.

Sie lebte doch noch!

In der anderen Hand hielt der Scheißkerl ein langes Krummesser. Seine Beute, Mrs. Turner, hob er demonstrativ in die Höhe.

Die Ärztin keuchte. Ihr halber Körper war vom Blut aus der Platzwunde am Kopf verschmiert.

Roland streckte seine Waffe dem Kerl entgegen. »Loslassen! Polizei!«

Ungehetzt und mit fließender Bewegung führte er die Klinge an Mrs. Turners Kehle. Das Messer fuhr sanft durch den Hals.

Blut sprudelte, wie aus einem geöffneten Wasserhahn. Er ließ den Schopf los und ihr Gesicht klatschte in die Gosse.

Rolands Finger presste sich an den Abzug und Lita sprang vor, da kreischte es direkt über ihren Köpfen.

Die geflügelten Kreaturen ließen sich von den Dächern auf sie niederfallen.

Rolands Sinne sprangen von Kampf auf Flucht.

Sie rannten um ihr Leben.

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Dein Viktor

 

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